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Ostern

Warum fällt Ostern häufig mehrmals nach je 11 Jahren wieder auf das gleiche Datum?

"Ostern fällt auf den Sonntag nach dem Frühlingsvollmond", so lautet stark vereinfachend die Regel für die Bestimmung des Osterdatums. Damit ein Jahr das gleiche Osterdatum hat wie ein Vergleichsjahr müssen zwei Voraussetzungen gegeben sein:

  1. Es muss der gleiche Wochentagskalender (für die Monate März bis Dezember) gelten
  2. Der "Frühlingsvollmond" muss in beiden Jahren in die selbe Kalenderwoche fallen.

1.: Wochentagskalender:

Bei jedem Jahreswechsel verschiebt sich der Wochentagskalender um einen Tag, in Schaltjahren nach dem 29. Februar um einen weiteren Tag.
  In 5 Jahren verschiebt sich der Wochentagskalender um 7 Tage oder eine Woche, wenn in diesen 5 Jahren zwei Schalttage zu liegen kommen. Dies ist immer dann der Fall, wenn das Ausgangsjahr ein Jahr vor einem Schaltjahr liegt, also in 25% aller Fälle, so zum Beispiel in den Jahren 2007 / 2012 oder 2011 und 2016. eine Serie kann hier nicht entstehen.
  In 6 Jahren verschiebt sich der Wochentagskalender um 7 Tage oder eine Woche, wenn in diesen 6 Jahren ein Schalttag liegt. Dies ist immer dann der Fall, wenn das Ausgangsjahr ein Schaltjahr ist oder ein Jahr, das auf ein Schaltjahr folgt. Dies trift zu in 50% aller Fälle, so zum Beispiel in den Jahren 2000/ 2006 oder 2001 / 2007. Eine Serie kann hier ebenfalls nicht entstehen.
  In 11 Jahren verschiebt sich der Wochentagskalender um 14 Tage oder um zwei Wochen, wenn in diesen 11 Jahren drei Schalttage liegen. Dies ist immer dann der Fall, wenn das Ausgangsjahr kein Schaltjahr ist, also in 75% aller Fälle. Wählt man als Ausgangspunkt ein Jahr, das direkt vor einem Schaltjahr liegt, so wird vier Mal im Abstand von je 11 Jahren der gleiche Wochentagskalender gelten.

2.: Der Frühlingsvollmond:

Das Datum des Fühlingsvollmonds wird nicht astronomisch berechnet, es folgt vielmehr einem 19jährigen Zyklus. Es gibt immer nur 19 Daten für die Luna XIV, den 14. Tag des Ostermonats, wie dieser Vollmondtag von den Computisten genannt wurde. Im julianischen Kalender lag im im ersten Zyklusjahr die Luna XIV auf dem 5. April. Jedes Jahr wich dann dieser Vollmondtag um 11 Tage zurück. Fiel er auf ein Datum vor dem 21. März, musste der folgende Vollmondtag 30 Tage später herangezogen werden. Beim Übergang vom 19. zum 1. Zyklusjahr schritt man 12 Tage zurück, um wieder auf das Ausgangdatum zurückzukommen. Dieset zusätzliche Tag wurde "saltus lunae", Mondsprung, genannt. Bei Einführung des gregorianischen Kalenders wurde dieses Prinzip beibehalten, allerdings verschieben sich nun die 19. Daten für den Frühlingsvollmond mit den zusätzlichen Schaltungen in den Jahrhundertjahren. Derzeit, das ist in den Jahren 1900 bis 2099, fällt im ersten Zyklusjahr die Luna XIV auf den 14. April.

In 5 Jahren verschiebt sich die Luna XIV um 5 mal 11 gleich 55 Tage. Das ist 5 Tage weniger als zwei Zyklen zu je 30 Tagen. Liegt in diesen 5 Jahren ein Saltus Lunae so verschiebt sich die Luna XIV um 4 Tage.
In seltenen Fällen wiederholt sich ein Osterdatum somit nach 5 Jahren. Die folgende Tabelle zeigt Beispiele aus dem Zeitraum von 1983 bis 2023. In der obersten Reihe das Jahr, darunter der Ostertag und in der untersten Reihe das zu diesem Jahr gehörde Datum der Luna XIV:
1983 1988
3. April
Mo. 28.3. Sa. 2.4.
1987 1992
13. April
Mo. 28.3. So. 27.3.
2007 2012
8. April
Mo. 2.4. Sa. 7.4.
2027 2032
28. März
Mo. 22.3. Sa. 27.3.

In 6 Jahren verschiebt sich die Luna XIV um 6 mal 11 gleich 66 Tage. Das ist 6 Tage mehr als zwei Zyklen zu je 30 Tagen. Liegt in diesen 6 Jahren ein Saltus Lunae so verschiebt sich die Luna XIV um 7 Tage oder eine ganze Woche. In seltenen Fällen kann sich ein Osterdatum somit nach 6 Jahren wiederholen. Dies geschah zuletzt in den Jahren 1968 / 1974 , 1981 / 1987, 1988 / 1994 und wird sich das nächste Mal wieder ereignen in den Jahren 2076 / 2082.
1968 1976
14. April
Sa. 13.4. So. 17.4..
1981 1987
19. April
Sa. 18.4. Mo. 13.4.
1988 1994
3. April
Sa 2.4. So. 27.3.
2076 2082
19. April
Sa. 18.4. Mo. 13.4.

In 11 Jahren verschiebt sich die Luna XIV um 11 mal 11 gleich 121 Tagen. Das heisst, dass sich die Luna XIV, zieht man vier vollständige Zyklen zu je 30 Tagen ab, um einen Tag verschiebt, oder aber um zwei Tage, falls innert dieser 11 Jahre ein Saltus Lunae liegt. So verssichchiebt sich die Luna XIV innerhalb jener 44 Jahre, in den der gleiche Wochenkalender gilt, insgesamt mindesten um vier und höchstens um fünf Tage. Liegt im Ausgangsjahr der Frühlingsvollmond kurz vor dem Ostersonntag, wird Ostern in allen vier Jahren auf das gleiche Datum fallen, liegt er dagegen im Ausgsngsjahr weit vor dem Ostersonntag, wird das Osterdatum nach 11 Jahren bereits um eine Woche zurückweichen.
Somit wird innerhalb dieser 44 Jahre Ostern vier Mal, drei Mal oder je zwei Mal auf das gleiche Datum fallen.
1983 1994 2005 2016
23. April 27. März
Mo. 28.3. So. 27.3. Fr. 25.3. Mi. 23.3
1987 1998 2009 2020
19. April 12. April
Mo. 13.4. Sa. 11.4 Fr. 10.4. Mi. 08.4
1991 2002 2013 2024
31. März
Sa. 31.3. Do. 28.3. Mi. 27.3. Mo. 25.3
1995 2006 2017 2028
16. April
Fr. 14.4. Do. 13.4 Di. 11.4. Mo. 10.4
1999 2010 2021 2032
4. April 28. März
Mi. 31.3. Di. 30.3. S0. 28.3. Sa. 27.3
2003 2014 2025 2036
20. April 13. April
Mi. 16.4. Mo. 14.4 So. 13.4. Fr. 11.04

Zusammenfassung
Wie man sieht, kann der Ostersonntag nach fünf oder sechs Jahren wieder auf den gleichen Tag fallen, allerding nur je ein Mal. Im Abstand von jeweils elf Jahren wird sich das Datum des Osterfestes zwei, drei oder nicht selten auch vier Mal wiederholen


Wie finde ich die Termine für die Osterfeiertage in Griechenland?

In Griechenland wurde 1923 der gregorianische Kalender eingeführt. Er wurde 1924 auch von der orthodoxen Kirche übernommen. Alle unbeweglichen Feiertage richten sich nach diesem Stil. Das Osterdatum wird in Griechenland jedoch weiterhin nach dem alten Stil berechnet, also nach dem Modus, der im Abendland bis 1582 galt. (siehe Das Datum des Osterfestes)

Um das Osterdatum für Griechenland zu ermitteln, muss daher im Osterrechner der alte Stil gewählt werden. Das so ermittelte Datum ist dann in den neuen Stil umzurechnen. Für die Jahre 1900 - 2099 müssen 13 Tage addiert werden. Für diese Umrechnung kann natürlich auch der Kalenderrechner benutzt werden. (Eingabe: julianisch, Ausgabe: gregorianisch)

Beispiel: Für das Jahr 2002 erhält man als Osterdatum nach dem alten Stil den 22. April. Rechnet man dieses Datum in den gregorianischen Kalender um so kommt man auf den 5. Mai. Im Jahr 2002 wird also in Griechenland Ostern am 5. Mai gefeiert.

Das Programm Ostern in Griechenland erspart diese Umrechnungen.


Wer legte die Berechnung des Osterdatums fest?

Ostern ist ein kirchliches Fest, demzufolge bestimmen die Kirchen die Festlegung des Osterdatums. Für die katholische Kirche geschah dies durch die von Papst Gregor XIII. verfertige Bulle "Inter gravissimas" vom 24. Februar 1582. In den protestantischen Staaten Deutschlands wurde (nach Experimenten mit einer astronomischen Berechnung des Osterdatums) die Einführung des "Allgemeinen Reichskalenders" durch kaiserliches Patent vom 7. Juni 1776 beschlossen. Dies war die facto die Übernahme der Reform Gregors XIII. durch die evangelischen Stände, man scheute sich allerdings noch lange, das Wort "gregorianisch" in den Mund zu nehmen. Weitere Ausführungen zu dieser Frage finden Sie in der Abhandlung Das Datum des Osterfestes.


Ich möchte gerne wissen, wann der Ostersonntag wieder auf ein bestimmtes Datum ( z.B. 11. April) fällt.

Da sind Sie hier genau richtig! In dem Programm Ostersuche geben sie einen Tag vor, der zwischen dem 22. März und dem 25. April liegen muss. Sie können dann ablesen, wann der Ostersonntag auf diesen Datum fällt. Weitere Osterrechner finden Sie in dem Abschnitt Berechnung des Osterdatums finden Sie zwei Rechner.


Meton oder Kallipppos? Welcher Zyklus liegt der Osterberechnung zugrunde?

Diese Frage zu beantworten ist gar nicht so einfach. In der Literatur findet man unterschiedliche Darstellungen. Am häufigsten ist zu lesen, der Meton´sche Zyklus von 19 Jahren bilde die Grundlage der Osterberechnung, einige Autoren vertreten jedoch die Auffassung, man müsse den Zyklus des Kallippos von 76 Jahren heranziehen, und auf Internetseiten, die von Institutionen der Orthodoxen Kirchen ins Netz gestellt wurden, findet sich sogar die Meinung, die Ost-Kirchen würden Ostern aufgrund des Meton'schen Zyklus berechnen, die West-Kirchen hingegen den Zyklus des Kallippos nutzen.

Zuerst einmal die Fakten:
   Meton: Im Jahre 433 v. Chr. veröffentlichte der Astronom Meton, Sohn des Pausanias, seinen neunzehnjährigen Zyklus, der davon ausgeht, dass 19 Sonnenjahre gleich seien mit 235 synodischen Monaten. Meton nahm an, die Dauer seines Zyklus betrage 6940 Tage. Demzufolge hatte nach ihm das Sonnenjahr eine Dauer von 365 Tagen, 6 Stunden und knapp 19 Minuten. Auch die Dauer des synodischen Monats war zu hoch angesetzt.
   Kallippos:  Um das Jahr 334 v. Chr. kam Kallippos aus Kyzikos, ein Schüler des Polemarchos, nach Athen und verbesserte dort den Meton'schen Zyklus. Er fasste vier Perioden des Meton zu einem neuen Zyklus von 76 Jahren mit insgesamt 27759 Tagen zusammen, verkürzte somit die Jahreslänge durch Auslassung eines Tage innerhalb dieser 76 Jahre auf 365 Tage und 6 Stunden. Zwar fand Hipparchos um 125 v. Chr. einen neuen Zyklus von 304 Jahren mit 111035 Tagen, der zu einer noch genaueren Jahreslänge führte. Dieser konnte sich jedoch nicht durchsetzen. Dass das Sonnenjahr 365 ¼ Tage habe, blieb lange ein unerschütterliches Dogma. Ausführlich beschrieben werden die Reformen des Kalenders von Athen bei Ginzel (1914), Bd. II, Seite 378 - 426. (noch lange nicht veraltet)
   Der Zyklus des Osterfestes: Die auf dem Konzil von Nikäa 325 beschlossenen rechtlichen Grundlagen zur Feier des Osterfestes wurden von den Patrriarchen in Alexandria in einen praktikablen Kalender umgesetzt. Die dort erarbeiteten Methoden setzten sich im Laufe der Jahrhunderte in der gesamten Christenheit durch. Auch die Reform von 1582 änderte diese Grundlagen nicht. Die Osterrechnung der Alexandriner geht aus von einem neunzehnjährigen Zyklus und einer Jahreslänge von 365 ¼ Tagen. Dass dieser Zyklus nun die nicht ganzzahlige Anzahl von 6939.75 Tagen hat spielt insofern keine Rolle, als in diesem konkreten Fall die Schalttage, je nachdem vier oder fünf pro Zyklus, im Kalender selbst gar nicht auftauchen.

Zurück zur Ausgangsfrage:
Nach Meinung des Verfassers dieser Zeilen sollte man auf keinen Fall in die Osterberechnung einen Zyklus von 76 Jahren einbringen. Dies ist sachlich nicht gerechtfertigt und würde nur den Blick auf die klaren Regeln verstellen. Der neunzehnjährigen luni-solare Zyklus ist im Abendland eng verbunden mit dem Namen Meton. Daher kann man ruhig vom Zyklus des Meton sprechen, auch wenn es sich eigentlich um einen durch die Erkenntnisse des Kallippos verbesserten Meton'schen Zyklus handelt.

Wie dem auch immer sei, die Diskussion Meton oder Kallippos ist rein akademisch. Man sollte nicht glauben, dass die Erkenntnisse dieser Astronomen irgendwelchen Einfluss auf Zeitrechnungen hatten, nicht einmal in ihrer Heimatstadt Athen. Der Rat der Stadt legte weiterhin den Kalender nach eigenem Gutdünken fest. Der alexandrinische Osterzyklus steht darüber hinaus in keinem Zusammenhang mit Zeitrechnungen des antiken oder hellenistischen Griechenland. Er entspringt altjüdischer Tradition, die ihre Wurzeln wiederum in der Zeitrechnung des babylonischen Reiches hatte. Otto Neugebauer hat sicher recht, wenn er schreibt: "It is ridiculous to praise the use of the 19-year cycle for the Easter computus as a survival of the scientific Alexandrian tradition. In fact it is nothing but the return to a simple luni-solar cycle, well known for many centuries."


Warum wurden in der Reform von 1582 genau 10 Tage gestrichen?

Am 24. Februar des Jahres 1582 verkündete Papst Gregor XIII. in der Bulle "Inter gravissimas" [zur deutschen Übersetzung] eine Neuordnung des Kalenders, die er auch ausführlich erläuterte. Einer der Grundsätze hierbei war, die alte Ordnung möglichst unangetastet zu lassen. Man wollte lediglich durch geringfügige Änderungen das Datum des Osterfestes wieder in Übereinstimmung bringen mit den Bewegungen von Sonne und Mond. Insbesondere trachtete man, die Bestimmungen des Konzils von Nikäa penibel einzuhalten, in der Hoffnung, dass dann alle Christen der Neuregelung zustimmen könnten. Daher ist in den Quellen auch nie von einer Reformation sondern immer nur von einer Wiederherstellung oder Korrektur des Kalenders die Rede.

Man war damals der in dieser Form nicht ganz zutreffenden Meinung, das Konzil von Nikäa habe 325 folgendes beschlossen:

  1. Ostern ist zu feiern am ersten Sonntag nach dem 14. Tag des ersten (Mond-)Monats, der sogenannten Luna XIV primi mensis.
  2. Der erste Monat ist derjenige Monat, dessen 14. Tag auf oder unmittelbar nach dem Tag des Frühlingsäquinoktiums liegt.
  3. Der Tag des Äquinoktiums ist der 21. März.

Der 14. Tag eines Mondmonats ist der Tag des Vollmondes. So wurde volkstümlich die Regel aufgestellt: "Ostern liegt am Sonntag nach dem Frühlingsvollmond."

Im julianischen Kalender ist das Jahr rund 11 Minuten kürzer als der durchschnittliche Zeitraum zwischen zwei Frühlingsäquinoktien. Aus diesem Grund hatte sich in den rund 1250 Jahre seit dem Konzil von Nikäa das astronomische Äquinoktium verschoben und lag nun auf dem 11. März, gegen den 10. März tendierend. Man beschloss nun 1582, 10 Tage aus dem Kalender zu streichen, um so das Äquinoktium auf seinen alten Platz zurückzubringen. Um zu verhindern, dass es sich erneut verschiebe, korrigierte man auch die Schaltregel. Wie bisher sollte jedes vierte Jahr ein Schaltjahr sein. Die "Jahrhundertjahre", also die Jahre 1600, 1700, 1800 etc., sollten jedoch keine Schaltjahre mehr sein, es sei denn, die Jahreszahl liesse sich durch 400 ohne Rest teilen, wie in den Jahren 1600 oder 2000. Diese neue Schaltregel verändert die bisherige Praxis kaum.

Man muss unterscheiden zwischen dem kalendarischen und dem astronomischen Äquinoktium. Der Tag des kalendarischen Äquinoktiums ist, wie vom Konzil 325 festgelegt, der 21. März. Fällt Luna XIV auf den 21. März und ist dieser Tag ein Samstag, so ist Ostern am 22. März, dem frühestmöglichen Termin. Die überkommene Ostergrenze, die man nicht verletzen durfte, ist eingehalten. Das astronomische Fühlingsäquinoktium liegt nach der Neuordnung des Kalenders nun im Zeitraum 19. bis 21. März. Fällt in einen Jahrhundertjahr der Schalttag aus, springt es auf den 21. März, um dann langsam zurückzuweichen bis zum 19. März. Diese kleine Ungenauigkeit gegenüber den Himmelsbewegungen hat man bewusst in Kauf genommen. Wichtiger als übertriebene astronomische Genauigkeit eines Kalenders ist eine einfache Handhabung, die ein jeder nachvollziehen kann.

Hätte man 1582 nicht 10 Tage sondern 11 Tage aus dem Kalender gestrichen, - und dies wurde durchaus diskutiert- , würde das astronomische Äquinoktium in einer Reihe von Jahren auf den 22. März fallen. Dies ist aber auch der früheste Termin für den Ostersonntag. Ostern am Tag des Äquinoktiums zu feiern wäre ein eklatanter Verstoss gegen die wichtigsten Prinzipien der Osterberechnung gewesen. Bereits Kaiser Konstantin, der ja dem Konzil von Nikäa vorstand, hatte 325 in einem Brief an alle Kirchen es als eines der grössten Übel betrachtet, Ostern zweimal im Jahr zu feiern, nämlich einmal nach und dann wieder vor dem Äquinoktium [zum Brief Konstantins in englischer Übersetzung].

Fazit: 1582 musste man genau 10 Tage aus dem Kalender zu streichen. Nur dadurch kam das astronomische Äquinoktium wieder an seine richtige Stelle im Kalender, nämlich auf den 21. März, zum 19. März tendierend. Durch die neuen Schaltregeln wurde dafür gesorgt, dass es auch an dieser Stelle verbleibt. Der gregorianische Kalender wird zu recht in den Quellen als immerwährend (calendarium perpetuum) bezeichnet. Natürlich war es den Gelehrten 1582 klar, dass irgendwann einmal eine erneute Anpassung erfolgen müsse. Dies ändert aber nichts an dem Kalender selbst. Der englische Astronomen John Herschel (1792 - 1871) hat vorgeschlagen, entgegen der bisherigen Regel im Jahr 4000 einen Schalttag einzufügen und dann wieder in jedem Jahr, dessen Jahreszahl durch 4000 ohne Rest teilbar ist. Ob dies sinnvoll ist, wird man in 1500 Jahren wissen. Bis dahin sollte man sich gedulden.

Der greogrianische Kalender ist eine unübertroffene Meisterleistung der Chronologie. Er verbindet klare und einfache Schaltregeln mit einer sehr guten Übereinstimmung mit den Himmelsbewegungen. Leider werden seine Grundzüge bis heute nicht immer verstanden.


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Der islamische Kalender

Warum beginnt die islamische Zeitrechnung im Jahre 622?

Der Koran schreibt vor, dass ein Jahr 12 Monate hat und jeder Monat mit jenem Abend beginnt, an dem erstmals nach Neumond die schmale Mondsichel am Abendhimmel sichtbar ist. Somit liegt die Struktur des Kalenders fest. Nichts jedoch wird ausgesagt über die Zählung der Jahre. Rund fünf Jahre nach dem Tod des Propheten einigte man sich darauf, eine eigene islamische Jahreszählung einzuführen und legte fest, dass der Ausgangspunkt das Jahr sein sollte, in dem die Hidschra stattfand. Dies zeigt, welch grosse Bedeutung man diesem Ereignis - dem Abbruch der Beziehungen und Bindungen des Propheten und seiner kleinen Anhängerschar zu seiner Heimatstadt Mekka und seine Übersieldung nach Medina - beimass. Siehe hierzu auch: Die islamische Zeitrechnung


Wie häufig fällt der Anfang des islamischen Jahres (der 1. Muharram) auf den Jahresanfang des christlichen Kalenders (den 1. Januar)?  In welchen Jahren war dies der Fall?

Im julianisch_gregorianischem Kalender hat das Jahr ca. 365 Tage, im islamischen Kalender hingegen nur rund 354 Tage. Daher durchläuft im islamischen Kalender jeder Tag, auch der 1. Muharram, in etwas mehr als 33 Jahren alle Jahreszeiten. Über einen längeren Zeitraum hinweg betrachtet wird der 1. Muharram gleichmässig oft auf jedes Datum im Julianisch/gregorianischen Kalender fallen. Die Wahrscheinlickeit dafür, dass er auf den 1. Januar fällt, ist also 1 zu 365. Diese statische Zahl sagt allerdings wenig aus über die tatsächliche Verteilung.

Im Islam wird der Monatsbeginn durch Himmelsbeobachtung ermittelt. Bei Umrechnung eines islamischen Datums in den julianisch-gregorianischen Kalender besteht immer eine Unsicherheit von ± 1 Tag. Eine genaue Aussage darüber, in welchen Jahren der Jahresanfang im islamischen Kalender auf den Neujahrstag im julianisch/greorianischen Kalennder fiel, kann daher nicht gemacht werden.

Es gibt auch einen "zyklischen2" islamischen Kalender, der recht genau mit dem Mondlauf übereinstimmt, allerdings von islamischen Theologen durchwegs abgelehnt wird. Zieht man ihn für die Beantwortung der Anfrage heran, kommt man zu folgenden Ergebissen: Der 1. Muharram fiel in folgenden Jahren auf den 1. Januar julianisch: 868, 933, und 1454. Er wäre auch im Jahr 1975 auf den 1. Januar gefallen, aber da war bereits weltweit der gregorianische Kalender eingeführt. Nach dieser 1582 eingeführten gregorianischen Zeitrechnung fällt der 1. Muharram erstmals im Jahre 3084, dann wieder im Jahr 3475 auf den 1. Januar.

Die folgenden Beispiele zeigen, in welchen Jahren nach dem (über die Reform von 1582 hinaus weitergeführten) julianischen Kalender der 1. Muharram auf das angegeben Datum 1. bis 11. Januar fiel. Die Zeitspannen zwischen diesen Jahren werden in der Spalte daneben angezeigt. Auffallend ist, wie häufig dieser Abstand 521 oder 293 Jahre beträgt.

 1. Januar       2. Januar       3. Januar       4. Januar       5. Januar       6. Januar       7. Januar       8. Januar       9. Januar       10. Januar       11. Januar       12. Januar 
868  640  998  770  835  1128  900  672  1030  802  1095  1160    
93365 70565 1519521 1063293 1356521 1421293 96565 73765 1551521 1323521 1388293   
1454521 1226521 2040521 1291228 1649293 1714293 1193228 1258521 2072521 1616293 1681293   
1975521 1747521 211575 1584293 2170521 1942228 1486293 1779521 213765 1844228 2202521   
2496521 2268521   1812228    2235293 2007521 2300521 2365228 190965      
   233365    187765    2463228          2430521       
         2398521                        

Noch einmal die gleiche Tabelle. Diesmal beziehen sich die Daten auf den (in die Zeit vor der Kalenderreform zurückgerechneten) gregorianischen Kalender.

 1. Januar       2. Januar       3. Januar       4. Januar       5. Januar       6. Januar       7. Januar       8. Januar       9. Januar       10. Januar       11. Januar 
1129  738  803  1031  640  704  1161  770  835  1063  672 
   966228 1194391 1422391 868228 933229 1324163 998228 1226391 1454391 900228
   1357391 1585391 1650228 1259391 1096163 1715391 1389391 1617391 1682228 1291391
   1520163 1976391 1813163 1878619 1487391 2106391 1552163 2399782 1845163 2236945
   1715195 2367391 2041228 2204326       1780228   2008163   
  1911196       226965       1943163    207365   
  2139228       2432163       2171228         
   2302163                2334163         

 


Auf welches Datum fiel das eid ul-fitr im Jahre 1974?

Das eid ul-fitr, der Tag des Fastenbrechens, fällt auf den 1. Schawwal. Auf die Problematik des Monatsanfangs im islamischen Kalender wird auf dieser Seite mehrfach eingegangen, siehe vor allem den Abschnitt "Der Monatsbeginn im heutigen islamischen Kalender", zur Frage des Neulichts siehe auch: "Der Neue Mond am Abendhimmel". Eine hervorragende Hilfe bei der Frage, ob das Neulicht bereits sichtbar ist, bietet das Programm "Mooncalc" von Dr. Monzur Ahmed, einen entsprechenden Link finden Sie in dem Abschnitt Links und Verweise. Die Frage, wann 1974 der Ramadan endete, ist grundsätzlich nicht eindeutig zu beantworten. Im Iran fiel der 1. Schawwal auf den 17. Oktober, genauer gesagt in die Zeit von Sonnenuntergang des 16. Oktober bis zum Sonnenuntergang des 17. Oktobers. Dies kann abgelesen werden von der Seite "Monatsanfänge im Iran", die hier angegebenen Daten sind historisch belegt. Allerdings war am Abend des 16. Oktober im Iran mit grösster Wahrscheinlichkeit der Mond nicht sichtbar. Auch im Norden Ägyptens und Saudi-Arabiens war das Neulicht wohl nicht sichtbar, dennoch dürften die Kriterien für den Beginn des neuen Monat nach den Kriterien dieser Länder an diesem Tag erfüllt gewesen sein. Dies kann ich allerdings nicht nachprüfen.

Kalender, die auf astronomischen Beobachtungen oder Berechnungen beruhen, haben einen grossen Nachteil: Sind keine weiteren Angaben (wie zum Beispiel der Wochentag) vorhanden, lässt sich ein Datum in der Regel nicht eindeutig bestimmen.


Auf welches Datum fiel das eid ul-fitr im Jahre 2002?

Alle Jahre wieder......
kommt die für den Muslim so wichtige Frage: "Wann ist der Tag des Fastenbrechens?" Die Aussagen des obigen Artikels zum Jahre 1974 gelten natürlich auch für das Jahr 2002. Dennoch hier einige Daten:

Mittwoch, 4. Dezember 2002

Neumond: Mittwoch, 4. Dezember 2002, 7:37 (UT = mittlere Zeit Greenwich) In einigen Teilen der Welt deutlich sichtbar, da es eine absolute Sonnenfinsternis gab.
Sonnenuntergang in Mekka: 17:38 (Local Time)
Monduntergang in Mekka: 17:48 (Local Time)
Der Mond war an diesem Abend in Mekka mit Sicherheit nicht zu sehen. Wenn überhaupt, war die Mondsichel an diesem Abend in einigen Gebieten nahe des Äquators westlich von Amerika sichtbar.

Donnerstag, 5. Dezember 2002

Sonnenuntergang in Mekka: 17:38 (Local Time)
Monduntergang in Mekka: 18:45 (Local Time)

Der Mond war an diesem Abend in Mekka zu sehen, ebenso in den meisten islamischen Kernländer. Auch in Südeuropa war die Sichel wohl sichtbar, nicht aber in Deutschland.

Daraus folgt: Für die viele Muslime war der 1. Schawwal, der Tag des Fastenbrechens, am Freitag, dem 6. Dezember 2002, beginnend mit dem Sonnenuntergang des Donnerstages. Allerdings folgen nicht alle islamischen Staaten dem Grundsatz, die Mondsichel müsse zumindest theoretisch sichtbar sein.
Da in Saudi Arabien gilt: "Wenn am 29. Tag eines Monats der Monduntergang nach dem Sonnuntergang stattfindet, so beginnt in diesem Moment der neue Monat." (siehe: Der Monatsbeginn im heutigen islamischen Kalender), dürfte in Mekka bereit einen Tag früher das Fasten geendet haben.
In Ägypten gilt, der neue Monat ist angebrochen, wenn zwischen Untergang der Sonne und Untergang des Mondes mindestens fünf Minuten liegen. Am Abend des 4. Dezembers war in Kairo die Differenz zwischen Sonnen- und Monduntergang etwas mehr als neun Minuten, Ägypten feierte daher das Fastenbrechen am 5. Dezember, beginnend mit ebendiesem Mittwoch Abend.

Muslime in Deutschland haben ihre eigene Meinung, wie ein Blick auf ihre homepage http://www.islam.de/ zeigt. Hier die entsprechenden Verlautbarungen des Diwan, des "Deutschen islamwissenschaftlichen Ausschusses der Neumonde":

Noch einmal diese Meldung vom Mittwoch, dem 04.12.2002:
Soeben meldet der "Deutsche islamwissenschaftliche Ausschuss der Neumonde" (DIWAN), der sich am heutigen Tag der Ausschauhaltung in Kerpen traf, dass die Sichtung des Neumondes vom Schawwal erfolgt ist.

Ist dies so gemeint, wie es sich liest, so handelt sich bei dieser Meldung um eine wissenschaftliche Sensation. Wenn am Abend des Mittwochs, des 4. Dezember 2002, in Kerpen das Neulicht gesehen worden ist, so sollte diese Tatsache unverzüglich mit den genauen Daten in naturwissenschaftlichen oder astronomischen Zeitschriften veröffentlicht werden. Alle Arbeiten renommierter Astronomen über das Neulicht wären damit Makulatur.

Der Verfasser bleibt bei seiner Meinung:
Am Abend des 4. 12. 2002 (Mittwoch) war das Neulicht weder in Mekka noch in Kerpen sichtbar.
Am Abend des 5. 12. 2002 (Donnerstag) war das Neulicht in Mekka sichtbar (bei entsprechender Witterung), nicht jedoch in Kerpen.
In einer Reihe von muslimischen Ländern ist die Sichtung des Neulichtes nicht mehr Voraussetzung für das Fastenbrechen, dort feierte man das eid ul-fitr am Donnerstag, dem 5. Dezember 2002. Muslime, die an der alten Vorschrift, dass der Mond sichtbar sein muss, festhalten, feierten einen Tag später.


Das eid ul-fitr im Jahre 2003

Diesmal schon im Voraus, ohne danach gefragt worden zu sein, die Stellungnahme zum Ende des Ramadans:

Astronomische Daten:

Neumond, die Konjunktion von Mond und Sonne, ist am Sonntag, dem 23. November 2002 gegen 23.00 Uhr UT.
13 ½ Stunden später, also am 24. November gegen 12.30 Uhr UT, wird der Phasenwinkel des Mondes zur Sonne ca. 8 Grad betragen.
Am Abend des 24. November kurz nach Sonnenuntergang wird voraussichtlich die neue Mondsichel erstmals im südlichen Afrika zu sehen sein, am gleichen Abend dann mit der entsprechenden Zeitverzögerung in Süd- und Mittelamerika. In den USA dürfte die Sichel noch nicht gesehen werden können.
In den zentralen islamischen Ländern wird die Mondsichel am folgenden Abend zu sehen sein.
Muslime, die das Ende des Ramadans von der Sichtung des Neulichts abhängig machen, werden, sofern sie in Südafrika oder in Süd- oder Mittelamerika leben, am Abend des 24. Novembers 2003 das Fasten brechen, der 1. Schawal ist für sie Dienstag, der 25. November. In allen übrigen Ländern, so auch auf der arabischen Halbinsel, in Ägypten, der Türkei, auch in den USA, wird der Zeitpunkt des Fastenbrechens am Abend des 25. Novembers sein, der 1. Schawwal entspricht dann Dienstag, dem 26. November 2003.

Saudi Arabien

Der "Umm al-Qura" Kalender setzt den 1. Schawwal 1424 auf den 25. November 2003. Der Moment des Fastenbrechens in Arabien ist demzufolge am Montag, dem 24. November 2003, nach Sonnenuntergang.

Türkei

In der Türkei wird davon ausgegangen, das die Sichtung des Neumondes erfolgt sei, wenn der Winkelabstand Sonne - Mond grösser als 8 Grad ist. Dieser Augenblick wird Ru'yet (wörtlich Sehen, Sichtung, Einsicht) genannt. Wie oben gesagt ist dies am 24. November gegen 12.30 Uhr UT der Fall, das ist gegen 14.30 Uhr türkischer Winterzeit. In Ankara wird bei Sonnenuntergang der Mond eine Elongation von ca. 9 Grad haben und wird ca. 2 ½ Grad über dem Horizont stehen. Obwohl das zweite Kriterium, das in der Türkei für den Beginn eines neuen Monats erfüllt sein muss, nämlich eine Höhe des Mondes von mehr als 5 Grad über Horizont zur Zeit des Sonnenuntergangs, nicht erreicht wird, wurde für die türkischen Muslime der Abend des 24. November als die Zeit des Fastenbrechens berechnet.

Iran

Im Iran läuft in diesem Jahr der islamische Kalender mit dem zyklischen islamischen Kalender (Epoche 16. Juni) gleich. Dieser Kalender setzt den 1. Schawwal auf den 26. November, daher wird hier am Abend des 25. November nach Sonnenuntergang das Ende der Fastenzeit gekommen sein, also ein Tag später als in den meisten anderen islamischen Ländern.

Resumee

Im Jahr 2003 wir für die meisten Muslime das Fasten im Monat Ramadan enden am Abend des 24. Novembers nach Sonnenuntergang. Nur die Iraner und einige wenige andere Muslime, die nach den alten Vorschriften den Moment abwarten, da die Mondsichel tatsächlich zu sehen ist, werden einen Tag später das Fasten brechen.

geschrieben am Dienstag, dem 28. November 2003
   dem 2. Ramadan in der Türkei, dem Iran etc.
   dem 3. Ramadan in Saudi Arabien

Nikolaus A. Bär


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Sonstiges

Gab es ein Jahr Null?

Diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten. Es ist unbestritten, dass jede Zeitrechnung, so auch unser julianisch-gregorianische Kalender, beginnt mit dem ersten Tag des ersten Monats des ersten Jahres. Dem ersten Jahr einer Zeitrechnung geht voraus das erste Jahr, dass vor dieser Zeitrechnung liegt. Es gibt keinen "nullten" Tag eines Monats, keinen "nullten" Monat eines Jahres und es kann auch kein "nulltes" Jahr geben.

Diese Regelung ist unbestritten. Allerdings lässt es sich damit nur schwer rechnen. Astronomen benutzen daher eine rein arithmetische Jahreszählung. Dem Jahr 1 geht voraus das Jahr 0, diesem wiederum das Jahr -1. Genauso kennen Astronomen z. B. auch einen 0. Januar. Der 0. Januar 1900 12:00 Uhr ist der Bezugspunkt für die Definition der Ephemeridenzeit, normale Sterbliche würden diesen Zeitpunkt bezeichnen als 31. Dezember 1899 12:00 Uhr.

Heftig diskutiert wurde die Frage, ob es ein Jahr Null gegeben hat, im Zusammenhang mit den Überlegungen, wann ein neues Jahrhundert oder Jahrtausend anfängt. Ein Jahrhundert zählt 100 Jahre. Wenn nun aber das erste (nicht nullte) Jahrhundert begann mit dem Jahr 1, so begann logischerweise des 2. Jahrhundert mit dem Jahr 101, u.s.w. Nun hat allerdings der grosse Wissenschaftler Kaiser Wilhelm II. 1899 angeordnet, dass das der Beginn des 20. Jahrhundert am 1. Januar 1900 gefeiert werden solle. Demzufolge hätte zumindest in Deutschland das 3. Jahrtausend beginnen müssen mit dem Jahre 2000. Ob dieses Gebot des Deutschen Kaisers allerdings heute noch Gültigkeit hat, ist nicht bekannt.


Warum beginnt das Jahr mit dem 1. Januar?

Im altrömischen Kalender begann das Jahr mit dem 1. März. Ungefähr ab dem Jahr 154 vor Christus gab es neben diesem bürgerlichen Jahr noch ein Amtsjahr, beginnend mit dem 1. Januar. Durch die von Gaius Julius Caesar im Jahr 45 vor Christus angeordnete Kalenderreform wurde der Jahresanfang einheitlich auf den 1. Januar festgelegt. Die Römer begingen diesen Tag mit ausgelassenen Festlichkeiten und Ausschreitungen. Diese alte Gewohnheit übernahmen auch die römischen Christen, was der Kirche ein Dorn im Auge war. Sie versuchte mit allen Mitteln gegen dieses "Narrenfest"" vorzugehen.

Im christlichen Kalender gab es unterschiedliche Jahresanfänge (siehe hierzu auch den Eintrag "Stil" im Glossar). Als Tag der Geburt Christi wurde der 25. Dezember angenommen. Acht Tage später, also am 1. Januar, fand die Beschneidung Christi statt (Lukasevangelium 2, 21). Seit Mitte des 6. Jahrhunderts findet sich in den christlichen Festordnungen am 1. Januar das Fest der Beschneidung des Herrn ("Circumcisio domini"). Die Kirche versuchte, durch einen kirchlichen Feiertag dem wilden Treiben an diesem Tag entgegenzutreten, allerdings vorerst ohne grossen Erfolg. Erst ab dem 12. Jahrhundert setzte sich dieser Feiertag allmählich durch. Zu dieser Zeit fand der Jahresbeginn am 1. Januar auch Eingang ins Kirchenrecht, die Kirche liess ihren Festkalender mit diesem Tag beginnen. Diese Entwicklung wirkte sich auch auf das bürgerliche Leben aus. Der 1. Januar als Beginn des Verwaltungs- und Rechnungsjahres fand immer weitere Verbreitung, ab dem 16. Jahrhundert hatte er sich in den meisten abendländischen Staaten durchgesetzt. Ganz verdrängen konnte der Circumcisionsstil die anderen Jahresanfänge bis heute nicht. Die päpstliche Kanzlei datierte bei der Ernennung von Bistümern bis ins 20. Jahrhundert nach dem Annunciationsstil (Jahresanfang am 25. März).


Sehen die Bewohner der Südhalbkugel den abnehmenden Mond auch wie ein A?

Von Christian Morgenstern stammt das nette Gedicht (»Galgenlieder« 1920), mit dem sich einprägen kann, ob der Mond zu- oder abnimmt. Man muss sich das A und das Z in Kurrentschrift vorstellen:

Als Gott den lieben Mond erschuf,
gab er ihm folgenden Beruf:
Beim Zu- sowohl wie beim Abnehmen
sich deutschen Lesern zu bequemen,
ein A formierend und ein Z –
daß keiner groß zu denken hätt'.
Befolgend dies ward der Trabant
ein völlig deutscher Gegenstand.
Frage: Stimmt das für Mondbetrachter in Kapstadt, Sidney und auf Feuerland auch? Oder sehen die Bewohner der Südhalbkugel umgekehrt den abnehmenden Mond mit einem Z?

Antwort:

Auf der südlichen Halbkugel ist alles irgendwie seitenverkehrt. Am einfachsten kann man sich es an einem kleinen Beispiel klarmachen:
Die folgenden Skizzen sollen den Abendhimmel (Blick nach Westen) darstellen, irgendwann zur Zeit der Tag- und Nachtgleiche, einige wenige Tage nach Neumond, kurz nach Sonnenuntergang.

mond1 Bild 1 zeigt den Blick nach Westen für einen Ort ca. 50° nördlicher Breite.
Mittags stand die Sonne genau im Süden, 40° über dem Horizont. Über Südwesten wanderte sie nach Westen und ging dort unter. Sie beleuchtet die vom Betrachter aus gesehen rechte Seite des Mondes. Man könnte die Sichel zu einem Z ausmalen.
mond2 Bild 2 zeigt den Blick nach Westen zur gleichen Zeit für einen Ort am Äquator.
Mittags stand die Sonne im Zenith. Sie wanderte senkrecht nach Westen und ging dort unter. Sie beleuchtet den Mond von unten. Der Mond sieht aus wie eine Suppenschüssel.
mond3 Bild 3 zeigt den Blick nach Westen zur gleichen Zeit für einen Ort ca. 50° südlicher Breite.
Mittags stand die Sonne genau im Norden, 40° über dem Horizont. Über Nordwesten wanderte sie nach Westen und ging dort unter. Sie beleuchtet die vom Betrachter aus gesehen linke Seite des Mondes. Man könnte die Sichel zu einem A ausmalen.


Was bedeutet eigentlich: "Matthaei am letzten"?

Diese Redewendung hat mit dem Kalender nichts zu tun. Um die Frage beantworten zu können muss man einfach in der Bibel nachschlagen und im Evangelium des Matthäus den letzten Satz lesen. Dort steht geschrieben: "Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende". Matthaei am letzten bedeutet also nichts anderes als: "am Ende der Welt" oder: am Ende aller Tage".


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