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N A. B Die Zeitrechnung der Alexandriner / Kopten
und der Abessinier / Äthiopier
Gliederung

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Alexandria und Ägypten

Alexandria, eine Gründung Alexander des Grossen, war um die Zeitenwende, das heisst von ca. 300 vor Christus bis ca. 300 nach Christus das Zentrum der Kultur und Wissenschaften der damals bekannten Welt. Es war nach Rom die grösste Stadt der Antike, die Schätzungen schwanken zwischen 300.000 und 500.000 Einwohner, darunter neben den Ägyptern viele Griechen oder hellenisierte Bürger Nordafrikas und des Nahen Ostens.

In Alexandria lebte auch die nach Mesopotamien wohl grösste jüdische Gemeinde der Diaspora. Zwei von fünf Stadtvierteln sollen zur Zeit Cäsars von Juden bewohnt gewesen sein. Nachdem Ägypten dem römischen Reich einverleibt worden war verschlechterte sich deren Lage. Sie verloren die Bürgerrechte, die nun ausschliesslich Ägyptern und "Griechen" vorbehalten waren. Dass Alexandria sehr schnell zu einem christlichen Zentrum wurde mag auch darin begründet sein, dass viele Juden damals zum Christentum übertraten. So wurde Alexandria dann auch zu einem Zentrum christlicher Wissenschaften und Kultur.[1] Es waren die Patriarchen von Alexandria, die das Wissen hatten, eine Osterberechnung zu entwickelten, die sich nach Jahrhunderten heftigster Auseinandersetzung mit Rom letztendlich durchzusetzen vermochte.


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Die altägyptische Zeitrechnung

Die älteste noch sehr unentwickelte Zeitform der Menschheit war wohl ein Jahr von 360 Tagen. Spuren eines solchen "Rundjahres"[ 2 ] finden sich in zahlreichen Zeitrechnungen, so auch im alten Ägypten, wie eine Inschrift in Tani zeigt. In ihr heisst es, es sei "später üblich geworden, die fünf Epagomenen hinzuzufügen."[ 3 ] Im Zusammenhang mit der Einführung der fünf Zusatztage erzählt Plutarch, Kronos (Seb) und Rhea (Nut) hätten heimlich miteinander verkehrt. Die Sonne aber verfluchte Rhea, dass deren Kinder weder in einem Monat noch in einem Jahr geboren werden sollten. Hermes (Thoth) als Vermittler würfelte mit Selene, gewann ihr von jedem Tag des 360-tägigen Jahres den 72. Teil ab und bildete daraus 5 Tage, die hinter den 12 Monaten angehängt wurden. So wurde das Mondjahr verringert auf 355 Tage, das Sonnenjahr hingegen verlängert auf 365 Tag.[ 4 ]

Das altägyptische Jahr bestand somit aus 12 Monaten zu je 30 Tagen sowie fünf Zusatztage, die an den 12. Monat angehängt wurden. Schaltungen fanden nicht statt. Da das Kalenderjahr fast sechs Stunden kürzer war als das tropische Jahr verschob sich in ca. 1508 Jahren der Jahresanfang und natürlich auch jeder andere Tag des Jahres einmal durch alle Jahreszeiten, daher auch der in der Chronologie verbreitete Name "ägyptisches Wandeljahr" oder "annus vagus". Im Jahre 238 vor Chr. wurde durch das sogenannte Dekret von Kanopos versucht, durch Einfügung eines Schalttages in jedem vierte Jahr den Kalender dem Sonnenlauf anzupassen[ 5 ]. Diese Kalenderreform scheiterte aber am Widerstand der Priesterschaft und der Bevölkerung.

Bei den Naturwissenschaftler, im besonderen den Astronomen, erfreute sich dieses ägyptische Wandeljahr wegen seiner Klarheit grosser Beliebtheit. Auch Claudius Ptolemäus, wohl einer der grössten Naturwissenschaftler und Astronomen der Weltgeschichte, der um 165 nach Christus in Alexandria verstarb, legt im 2. nachchristlichen Jahrhundert seinen Berechnungen dieses ägyptische Wandeljahr zugrunde. Von Ptolemäus stammt auch der sogenannte "ptolemäische Kanon", ein Regentenverzeichnis, das eine genaue Zeitbestimmung ermöglichte [ 6 ], denn die Jahre wurden damals nach dem Regierungsantritt der jeweiligen Herrscher gezählt. Und selbst Kopernikus gebrauchte im 16. Jahrhundert noch diese Zeitrechnung [7].


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Der julianische Kalender

Ursprünglich rechneten die Römer nach einem Mondkalender, der durch Schaltmonate mit dem Sonnenjahr in Einklang gebracht werden sollte. Es war Aufgabe der Pontifices, diese Schaltungen zu bestimmen. Sie kamen dieser Pflicht nur sehr ungenügend nach.

Zur Zeit des Gajus Julius Cäsar war dieser Kalender in totaler Unordnung verkommen. Mit einem Gewaltakt schuf Cäsar durch sein Edikt aus dem Jahre 46 vor Chr. eine neue Zeitrechnung. Cäsar, der sich persönlich stark in dieser Angelegenheit engagierte [8], lies sich dabei von einem ägyptischen Gelehrten namens Sosigines beraten.

Dem julianischen Kalender lag ein Sonnenjahr von 365 Tagen zugrunde, jedes vierte Jahr war ein Schaltjahr zu 366 Tagen. Jahresanfang war nun einheitlich der 1. Januar, vorher begann das bürgerliche Jahr mit dem März, das Amtsjahr mit dem Januar. Den Schalttag legte Cäsar nach den Terminalien (23. Februar). In Schaltjahren bildete nach römischen Recht der Schalttag zusammen mit dem folgenden Tag ein einziges Datum. Die endgültige Form fand der "Julianische Kalender" nach einigen von Augustus vorgenommen Korrekturen im Jahre 8 vor Chr.

Eine feste Jahreszählung kannte Rom im Altertum und in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten nicht. Vielmehr wurde nach den Regierungsjahren der Kaiser und vor allem nach der Liste der Konsuln datiert. Erst als in den Wirren der Völkerwanderung die Liste der Konsuln in totale Unordnung geraten war, wurde die sogenannte "varronische Zählung ", die Zählung der Jahre "ab urbe condita" allmählich populärer.[9]


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Der Kalender der Alexandriner

Die Reform Cäsars trat am 1. Januar 45 vor Chr. in Kraft und wurde in Rom sofort umgesetzt. Der altrömische Kalender wurde auf einen Schlag beseitigt. Im Osten des Reiches, der überwiegend Griechisch sprach, gab es ein Vielzahl unterschiedlicher Zeitrechnungen. Fast jede grössere Stadt hatte ihren eigenen Kalender. Zumeist lag ihnen ein gebundenes Mondjahr zugrunde, das heisst, die Monate richteten sich nach den Phasen des Mondes. Jedes Jahr hatte 12 Monate, alle zwei oder drei Jahre wurde ein zusätzlicher Monat eingeschoben, damit sich das Kalenderjahr nicht gegen die Jahreszeiten verschob. Alle diese Kalender wurden in relativ kurzer Zeit auf das neue Sonnenjahr von 365 Tagen und sechs Stunden umgestellt, hatten aber weiterhin unterschiedliche Monatsanfänge und Monatsnamen.

Nach der Einnahme Ägyptens durch Kaiser Augustus und dem Selbstmord des Antonius im Jahre 30 vor Christus wurde eigene Ära geschaffen. Zu Ehren des Kaisers rechnete man nun nach den "anni Augusti". Das Jahr 1 der "anni Augusti" begann im Jahr 30 vor Chr. In dieser Zeit geschah auch der Übergang vom Wandeljahr zu einem festen Sonnenjahr. In jedem vierten Jahr wurde ein zusätzlicher Schalttag am Ende des Jahres eingeschoben. Die Zählung der Jahre nach Augustus schloss nicht aus, dass weiterhin die Regierungsjahre der Kaiser und das jeweilige Konsulat in den Datierungen angegeben wurden. Der Regierungsantritt Kaiser Diokletians im Jahre 284 nach Christus brachte insofern eine Wende, als von da ab die Zählung der Jahre nach Diokletian allgemein wurde. Der 1. Thoth des Jahres 1 der "anni Diocletiani" fiel auf den 29. August 284 nach Christus.

Dieser Kalender, der nun immer häufiger nach der Provinzhauptstadt als alexandrinisch bezeichnet wurde, spielte im Osten des Römischen Reiches eine überragende Rolle. Nach dem Ende der Christenverfolgungen zu Beginn des 4. Jahrhunderts, als die selbstbewussten Patriarchen von Alexandria mit dem Bischof von Rom um die Führung der Christenheit stritten, entwickelte man in Alexandria jene Osterberechnung, die Jahrhunderte später von allen Christen anerkannt wurde und die bis heute, im Westen nur leicht verändert durch die gregorianische Kalenderreform von 1582, die Grundlage des christlichen Festkalenders bildet. Die klare Strukturierung des alexandrinischen Kalenders war hierfür hervorragend geeignet.

Den Kalendern von Rom und von Alexandria lag das gleiche Prinzip zugrunde: Das Jahr hat 365 Tage, jedes vierte Jahr ist ein Schaltjahr zu 366 Tagen. Allerdings waren die Monatslängen sehr unterschiedlich, auch lag der Schalttag an ganz verschiedenen Stellen. Ein glücklicher Zufall wollte es allerdings, dass auf ein alexandrinisches Schaltjahr ein julianisches folgt. Dies hat zur Folge, dass der Monatskalender der beiden Zeitrechnungen zu allen Zeiten übereinstimmt, ausgenommen in den Monaten September bis einschliesslich Februar eines Jahres, dessen Februar einen Schalttag hat, also z. B. vom September 303 der Zählung der Jahre nach Christi Geburt bis einschliesslich Februar 304. Die folgenden Tabellen sollen dies verdeutlichen.

Die Monatsnamen des alexandrinischen Kalenders [10]:

    griechisch griechische
Schrift
koptisch arabische
Schrift
 
   1.: Thoth Θωθ Tut توت  
   2.: Phaophi Φαωφι Babeh بابه  
   3.: Hathyr Άϑύρ Hatur هاتور  
   4.: Choiak Χοίακ Kijhak كيهك  
   5.: Tybi Τυβι Tubeh طوبه  
   6.: Mechir Μεχίρ Amschir أمشير  
   7.: Phamenoth Φαμενώθ Barmahat برمهات  
   8.: Pharmuthi Φαρμουθι Barmudeh برموده  
   9.: Pachon Παχών Baschnas بشنس  
  10.: Payni Παϋνι Bauneh بوؤنه  
  11.: Epiph Έπίφ Ebib أبيب  
  12.: Mesori Μεσορή Mesri مسرى  
    Epagomenen   Nasie (ayyam a-nasi') الشهر الصغير  

Die fünf oder sechs Zusatztage nach dem 12. Monat werden griechisch als Epagomenen bezeichnet nach dem Wort epagein (επαγειν) "hinzufügen, anhängen". Die Kopten nennen sie heute entweder "kleiner Monat " oder ebenfalls hinzugefügte (eingeschaltete) Tage.

Vergleich der Monatsanfänge im alexandrinischen und römischen Kalenders:

(S) zeigt die Abweichungen in den Jahren, die einem alex. Schaltjahr folgen. Dann beginnt das alex. Jahr einen Tag später als üblich, nämlich am 30. August. Es ist dann dem julianischen Kalender immer einen Tag voraus bis Ende Februar. Dann kehrt die gewohnte Ordnung zurück, da in diesem Jahr der Februar 29 Tage hat. Die abweichenden Daten gelten somit für die Monate September bis Februar, wenn in diesen Februar ein Schalttag fällt, also z. B. vom September 2007 bis Februar 2008.
AlexandrinischRömischRömisch (S)
1. Thoth 29. August 30. August
1. Phaophi 28. September 29. September
1. Athur 28. Oktober 29. Oktober
1. Choiak 27. November 28. November
1. Tybi 27. Dezember 28. Dezember
1. Mechir 26. Januar 27. Januar
1. Phamenoth 25. Februar 26. Februar
1. Pharmuthi 27. März  
1. Pachon 26. April  
1. Payni 26. Mai  
1. Epiph 25. Juni  
1. Mesori 25. Juli  
1. Zusatztag 24. August  
 
RömischAlexandrinischAlexandr. (S)
1. September 4. Thoth 3. Thoth
1. Oktober 4. Phaophi 3. Phaophi
1. November 5. Athur 4. Athur
1. Dezember 5. Choiak 4. Choiak
1. Januar 6. Tybi 5. Tybi
1. Februar 7. Mechir 6. Mechir
1. März 5. Phamenoth  
1. April 6. Pharmuthi  
1. Mai 6. Pachon  
1. Juni 7. Payni  
1. Juli 7. Epiph  
1. August 8. Mesori  
     

Die Zählung der Jahre

Eine Zählung der Jahre von einer bestimmten Epoche aus war in der Antike kaum gebräuchlich. Gewöhnlich wurde nach den Regierungsjahren der Herrscher datiert, in Rom nach der Konsuln des betreffenden Jahres. Eine umständliche Sache, die zudem sehr fehlerbehaftet war. Einige wenige Ausnahmen gab es, so die Zählung nach Olympiaden in Griechenland oder die seuleukidische Epoche, die begann mit dem Jahr der Machtübernahme durch Seleukos Nikator in Babylon im Jahre 312/311 vor Christus. Erst nach der Zeitenwende wurden feste Epochen allmählich gebräuchlicher.

Ära des Augustus
Die "anni Augusti" oder "anni Augustorum" wurden oben bereits angesprochen. Ausgangspunkt ist das Jahr 30 vor Christus, der 1. Thoth 1 entspricht dem 31. August 30 v. d. Z., das erste Schaltjahr war das Jahr 8 der "anni Augustorum" [11].

Ära des Diokletian
Diokletian wurde im Jahre 284 nach Christus zum Kaiser proklamiert. Die Jahre nach seinem Regierungsantritt zu zählen war sehr schnell weit verbreitet. Diese Jahreszählung ist bis heute die massgebliche Epoche der Kopten. Der 1. Thut 1 der "anni Diocletiani" entspricht dem 29. August 284 n. Chr.

Ära der Märtyrer
Die Ära der Märtyrer ist identisch mit der Ära Diokletian. Unter Diokletian fanden die letzten grossen Christenverfolgungen statt. Vielen Christen widerstrebte es, ihre Jahreszählung, die Bestimmung des Ostermysterium, mit der Erinnerung an diesen "gottlosen Tyrannen" zu verbinden.

Die alexandrinische Weltära
Versuche, das Jahr der Schöpfung, das Jahr der Geburt oder das Jahr des Todes Christi zu bestimmen und dies alles in eine teilweise zahlenmystisch angehauchte Ordnung zu bringen gab es viele. Gegen Ende des 4. Jahrhunderts schrieb der alexandrinische Mönch Panadoros eine Chronographie, in der er die Geburt Christi in das Jahr 5493 der Schöpfung setzte. 412 ergänzte und verbesserte Anianos diese Weltchronik. Die Zählung der Jahre nach der Erschaffung der Welt war weit verbreitet. Diese Jahre werden auch "anni mundi" genannt. Mit diesem Jahr der Schöpfung beginnt auch der alexandrinische Osterzyklus von 28 mal 19 gleich 532 Jahren.
Der 1. Thoth 1 der Weltära entspricht dem 29. August 5493 vor Chr.

Die Gnadenära
Die sogenannte Gnadenära beginnt mit dem 77. Jahr der Ära Diokletians. In diesem Jahr begann ein neuer grosser Osterzyklus von 532 Jahren, der zwölfte seit Erschaffung der Welt.[12]
Der 1. Thoth 1 der Gnadenära entspricht dem 29. August 360 nach Christi Geburt.

Jahre nach Christi Geburt
Die Zählung der Jahre nach Christi Geburt baut auf der Weltära auf. Viele christliche Chronographen waren sich darin einig, dass zwischen der Erschaffung der Welt und der Geburt Christi 5.500 Jahre liegen. Das Jahr 1 der Zählung der Jahre nach der "Incarnatio Jesu" ist somit gleich dem Jahr 5.501 der Weltära.
Der 1. Thot des Jahres 1. entspricht dem 29. August des Jahres 8 nach Christus (in der von Dionysius Exiguus eingeführten Jahreszählung des Westens). [13]

Die Indiktion
Seit Mitte des 4. Jahrhundert findet sich bei koptischen Datierungen sehr häufig auch das Indiktionsjahr. Die Indiktion ist ein Zyklus von 15. Jahren, der ursprünglich wohl fiskalischen Zwecken diente. Das Jahr 1 der Ära Diokletian hat die Indiktion 3.


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Der Kalender der Äthiopier

Die Christianisierung Äthiopiens erfolgte vom Norden aus, von Ägypten. Die Verbindung mit dem Patriarchat von Alexandria war immer sehr eng. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wurden Bischöfe der äthiopischen Kirche vom alexandrinischen Patriarchen ernannt und geweiht.

Mit der christlichen Religion übernahmen die Äthiopier auch den christlichen Kalender von Alexandrien. Die Zeitrechnung der Äthiopier (Abessinier) ist daher dem Grunde nach identisch mit der Zeitrechnung der Kopten. Beide unterscheiden sich lediglich bei den Namen der Monate.

Die Monatsnamen des äthiopischen und alexandrinischen Kalenders im Vergleich [14]:

    äthiopisch koptisch julianisch Schaltjahr
   1.: Maskarem Tut 29. Aug. - 27. Sep. 30. Aug. - 28. Sep.
   2.: Tekemt Babah 28. Sep. - 27. Okt. 29. Sep. - 28. Okt.
   3.: Hathyr Hedar 28. Okt. - 26. Nov. 29. Okt. - 27. Nov.
   4.: Tachas Kijhak 27. Nov. - 26. Dez. 28. Nov. - 27. Dez.
   5.: Ter Tubeh 27. Dez. - 25. Jan. 28. Dez. - 26. Jan.
   6.: Yakatit Amschir 26. Jan. - 24. Feb. 27. Jan. - 25. Feb.
   7.: Magabit Barmahat 25. Feb. - 26. Mrz. 26. Feb. - 26. Mrz.
   8.: Miyazia Barmudeh 27. Mrz. - 25. Apr.  
   9.: Ginbot Baschnas 26. Apr. - 25. Mai.  
  10.: Sene Bauneh 26. Mai - 24. Jun.  
  11.: Hamle Ebib 25. Jun. - 24. Jul.  
  12.: Nahasse Misra 25. Jul. - 23. Aug.  
    Phagumen Nasie 24. Aug. - 28./29 Aug.  

Wie im alexandrinischen Kalender entspricht jedem Datum in äthiopischen Kalender immer das gleiche Datum im julianischen Kalender. Eine Ausnahme bilden nur die Jahre nach einem äthiopischen Schaltjahr, hier weichen die Daten in der Zeit vom 30. August bis zum 29. Februar um einen Tag ab. So fällt zum Beispiel der 25. Magabit immer auf den 21. März julianisch, was für die Berechnung des Osterdatums von Bedeutung ist.

Die in der Spalte Schaltjahr verzeichneten Daten beziehen sich somit julianischen Monate September bis Februar, sofern in diesem Jahr der Februar einen Schalttag enthält. Zur Umrechnung auf den gregorianischen Kalender muss man für das 20. und 21. Jahrhundert 13 Tage hinzuzählen.


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Weitere Entwicklung

Nach der Eroberung Ägyptens durch die Muslime verlor der Kalender der dortigen Christen seine überregionale Bedeutung, blieb aber in unveränderter Form die alleinige Zeitrechnung der Kopten bis heute. Auch der Kalender der Äthiopier wurde keiner Reform mehr unterworfen.

Bewegliche Feiertage:

Die beweglichen Feiertage hängen vom Ostersonntag ab. Der Ostersonntag ist zu berechnen nach den Vorschriften, die im 4. Jahrhundert in Alexandria entwickelt wurden und die ab dem 8. Jahrhundert bis zum Jahre 1582 für alle Christen verbindlich waren. Die so gefundenen Daten sind dann julianisch, sie müssen noch in den koptischen oder äthiopischen Kalender umgerechnet werden. Wie die oben angeführte Tabelle zeigt, entsprechen im Ostermonat unabhängig von allen Schaltungen die Daten des julianischen Kalender immer den gleichen Daten im koptisch/äthiopischen Kalender.

                koptisch          äthiopisch         julianisch        gregorianisch
  Ostern:
           15. Barmudeh 1722   15. Miyazia  1998     10. April 2006    23. April 2006
           30. Barmahat 1723   30. Magabit  1999     26. März  2007     8. April 2007
           19. Barmudeh 1724   19. Miyazia  2000     14. April 2008    27. April 2008

Unbewegliche Feiertage

Weihnachten liegt immer am 29. Kijak. Dieser Tag entspricht in drei von vier Jahren dem 25. Dezember julianisch, in einem von vier Jahren dem 26. Dezember julianisch.
Circumcessio Christi liegt immer 7 Tage nach Weihnachten, also am 6. Tubeh. Dieser Tag entspricht in drei von vier Jahren dem 1. Januar julianisch, in einem von vier Jahren dem 2. Januar julianisch.

                koptisch          äthiopisch         julianisch        gregorianisch
Weihnachten:
           29. Kijak 1723     29. Tachas 1999      25. Dezember 2006    7. Januar 2007
           29. Kijak 1724     29. Tachas 2000      26. Dezember 2007    8. Januar 2008
           29. Kijak 1725     29. Tachas 2001      25. Dezember 2008    7. Januar 2009

Circumcessio:
            6. Tubeh 1723      6. Ter 1999      1. Januar 2007    14. Januar 2007
            6. Tubeh 1724      6. Ter 2000      2. Januar 2008    15. Januar 2008
            6. Tubeh 1725      6. Ter 2001      1. Januar 2009    14. Januar 2009

Probleme bei der Umrechnung von Daten

Wie überall auf der Welt ist heute in Ägypten und Äthiopien (neben der islamischen Zeitrechnung) der "internationale" Kalender üblich, das ist der durch die gregorianische Reform von 1582 verbesserte julianische Kalender, der auf diesen Seiten immer als "abendländische Zeitrechnung" bezeichnet wird. Die Kalender der Christen in Ägypten und Äthiopien verzeichnen daher neben der althergebrachten Datierung auch das gregorianische Datum. Die Umrechnung der Daten des koptischen oder äthiopischen Kalender in den julianisch/gregorianischen Kalender scheint recht einfach zu sein. Dennoch kommt es immer wieder zu Fehlern. Sehr viele Internetseiten, die sich mit den koptischen oder äthiopischen Festtagen oder mit Kalenderfragen allgemein befassen, haben Probleme vor allem in den ersten sechs Monaten eines koptischen Jahres, das einem Schaltjahr folgt, das sind die sechs Monate vor dem März eines Schaltjahres im julianisch/gregorianischem Kalender.

Als Beispiel sei verwiesen auf die folgende Liste der koptischen Feiertage. Sie stammt von der Internetseite Coptic Orthodox Church Network:

Coptic Holidays for 2007

The following is a list of Coptic Feasts, Fasts and other special occasions during the year of 2007.

7 Major Feasts                                  7 Minor Feasts
Christmas              January 7, 2007          Circumcision of our Lord     January 14, 2007
Epiphany               January 19, 2007         Entrance into the Temple     February 15, 2007
Palm Sunday            April 1, 2007            Entrance into Egypt          June 1, 2007
Easter                 April 8, 2007            Wedding of Cana              January 21, 2007
Pentecost              May 27, 2007             Transfiguration              August 19, 2007
Ascension              May 17, 2007             Holy Thursday                April 5, 2007
Annunciation           April 7, 2007            Thomas Sunday                April 15, 2007
Coptic Holidays for 2008

The following is a list of Coptic Feasts, Fasts and other special occasions during the year of 2008.

7 Major Feasts                                  7 Minor Feasts
Christmas             January 7, 2008           Circumcision of our Lord    January 15, 2008
Epiphany              January 20, 2008          Entrance into the Temple    February 16, 2008
Palm Sunday           April 20, 2008            Entrance into Egypt         June 1, 2008
Easter                April 27, 2008            Transfiguration             August 19, 2008
Pentecost             June 15, 2008             Holy Thursday               April 24, 2008
Ascension             June 5, 2008              Thomas Sunday               May 4, 2008
Annunciation          April 7, 2008             Great Lent                  March 3, 2008

Wie leicht erkennbar sind die Angaben fehlerhaft und in sich unstimmig.

Ein Fehler, der häufiger beobachtet werden kann, ist, das koptische Weihnachtsfest mit Weihnachten jener orthodoxen Christen zu verwechseln, die die Umstellung des julianischen Kalenders auf den gregorianischen Kalender nicht vollzogen habe. Dies sind zum Beispiel die russisch-orthodoxen Christen oder die griechischen Altkalendarier. Sie feiern Weihnachten weiterhin immer am 25. Dezember julianisch, das entspricht in den Jahren 1900 bis 2099 dem 7. Januar gregorianisch.

Wenn selbst heute bei all den Informationsmöglichkeiten der modernen Zeit so falschen Kalenderdaten verkündet werden, kann man verstehen, das auch in früheren Jahrhunderten immer wieder falsche Kalenderdaten in die Chroniken Eingang fanden.

Für die Überprüfung von Daten können die verschieden Kalenderrechner dieser Seite verwendet werden:

Bisher sind keine Fehler bei diesen Rechnern bekannt geworden. Sollten Sie auf einen Fehler oder auf eine zweifelhafte Umrechnung stossen, schicken sie mir bitte eine kurze Nachricht mit den genauen Daten.


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Fussnoten

zur Bibliografie

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[ 1 ] de Lange (2004), S. 76 - 80, S. 85
[ 2 ] Dieser von Ginzel geprägte Ausdruck soll im folgenden durchgehend für diese Jahresform verwendet werden, im Gegensatz zum "Wandeljahr" von 365 Tagen, vg. Ginzel 1914, Bd. I, S. 69
[ 3 ] vg. Ginzel 1914, Bd. I, S., S. 170
[ 4 ] Ginzel a.a.O., S. 171
[ 5 ] Eine Übersetzung dieser Tempelinschrift bei Ginzel a.a.O., S. 171. Vg. auch Bickermann (1968), S. 41
[ 6 ] abgedruckt bei Ginzel a.a.O., S. 138.
[ 7 ] Bickermann (1968), S. 43
[ 8 ] siehe auch: Jürgen Malitz, Die Kalenderreform Caesars.
[ 9 ] Listen der Regenten und Konsuln bei Bickermann (1968), S. 43
[ 10 ] Ginzel, Bd. 1, S. 225 und Bd. 3, S. 322; Bickermann, S. 48
[ 11 ] Ginzel, Bd. 1, S. 227
[ 12 ] Zu den verschiedenen Ären siehe vor allem Neugebauer (1979). Ginzel, Bd. 3, S. 324 - 325 erwähnt diese Ära in einem Halbsatz ohne weitere Angaben.
[ 13 ] Ginzel, Bd. 3, a. a. O. gibt an, diese Ära würde 8 Jahre früher als die dionysische anfangen, nämlich im Jahre 9 v. Chr., daher das 1. Jahr Diokletians = 276 seit Christi Geburt. Diese Berechnung ist in sich unstimmig
[ 14 ] Ginzel, Bd. 3, a. a. O.

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